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Über­ge­wicht kann Lern­er­folg von Kin­dern trü­ben


Über­ge­wicht kann für Kin­der sehr be­las­tend sein. Hän­se­lei­en und der Spott Gleich­alt­ri­ger be­ein­träch­ti­gen das Selbst­be­wusst­sein. Schnell ge­rät ein Kind mit Über­ge­wicht in der Schu­le in ei­ne Au­ßen­sei­ter­rol­le. Dies kann Aus­wir­kun­gen auf den Lern­er­folg ha­ben. Schnei­den Kin­der mit Über­ge­wicht schlech­ter in Schul­fä­chern, zum Bei­spiel Ma­the­ma­tik, ab?

Mit Hil­fe von Da­ten aus der „Ear­ly Childhood Lon­gi­tu­di­nal Stu­dy“ un­ter­such­ten Wis­sen­schaft­ler um Pro­fes­so­rin Sa­ra Gab­le von der Uni­ver­si­tät von Mis­sou­ri in Co­lum­bia, ob fort­dau­ern­des Über­ge­wicht im Kin­des­al­ter Aus­wir­kun­gen auf die Ma­the­ma­tik­kennt­nis­se von Schü­lern bis zur fünf­ten Klas­se hat. Hier­für wur­den 6.250 Kin­der vom Kin­der­gar­ten­al­ter bis zur fünf­ten Klas­se be­glei­tet. Zur Be­stim­mung des BMI im Zeit­ver­lauf wur­den fünf­mal Grö­ße und Ge­wicht der Kin­der be­stimmt. An­hand des BMI wur­den die Kin­der in drei Grup­pen ein­ge­teilt: nie­mals über­ge­wich­tig (80 Pro­zent der Kin­der), be­stän­dig über­ge­wich­tig (12 Pro­zent der Kin­der), Ent­wick­lung von Über­ge­wicht im Stu­di­en­ver­lauf (8 Pro­zent der Kin­der).

El­tern und Leh­rer der teil­neh­men­den Kin­der wur­den zu je­dem Mess­zeit­punkt ge­be­ten, aus­führ­li­che Fra­ge­bö­gen über das Kind, sei­ne zwi­schen­mensch­li­chen Be­zie­hun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen zu be­ant­wor­ten. Au­ßer­dem un­ter­zo­gen sich die Kin­der je­weils ei­nem stan­dar­di­sier­ten Ma­the­test.

Es zeig­te sich, dass Kin­der, die durch­ge­hend ab dem Kin­der­gar­ten­al­ter Über­ge­wicht hat­ten, schlech­ter in den Ma­the­tests ab­schnit­ten als Gleich­alt­ri­ge oh­ne Über­ge­wicht. Die Un­ter­schie­de wa­ren be­reits in der ers­ten Klas­se sicht­bar und blie­ben bis zum fünf­ten Schul­jahr be­ste­hen. Hier­zu Sa­ra Gab­le, au­ßer­or­dent­li­che Pro­fes­so­rin und Spe­zia­lis­tin für Er­näh­rung und Sport­phy­sio­lo­gie: „Die­se Kin­der sind nicht un­be­dingt we­ni­ger in­tel­li­gent, aber sie zei­gen schlech­te­re Leis­tun­gen.“ Pro­ble­me bei zwi­schen­mensch­li­chen Be­zie­hun­gen und in­ter­na­li­sie­ren­des Ver­hal­ten der Kin­der (hier­zu zäh­len Angst, Sor­ge, Trau­rig­keit, Ein­sam­keit) kön­nen ver­mit­teln­de Fak­to­ren zwi­schen Über­ge­wicht und Schul­er­folg sein. Hin­zu kom­men bei Über­ge­wicht evtl. ver­mehr­te Schul­fehl­zei­ten und durch star­kes Über­ge­wicht be­ding­te ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me wie Schlaf­apnoe, die die Auf­merk­sam­keit wäh­rend des Schul­un­ter­richts be­ein­träch­ti­gen kön­nen.

Gab­le re­sü­miert, dass El­tern ih­re Kin­der so lan­ge wie nur ir­gend mög­lich vor ei­ner Fett­sucht schüt­zen soll­ten. Dies kann durch die Eta­blie­rung ei­nes ge­sun­den Le­bens­stils ge­sche­hen. So­bald je­mand fett­süch­tig ist, ist es wirk­lich schwer, dies zu än­dern, so Gab­le. Ist ein Kind be­reits über­ge­wich­tig, ist es wich­tig, so Gab­le, es da­bei zu un­ter­stüt­zen, sei­ne un­ge­sun­den Ge­wohn­hei­ten zu kor­ri­gie­ren. Eben­so wich­tig ist es aber auch, dass das Kind lernt, sich nicht über sein Ge­wicht zu de­fi­nie­ren. Das Ge­wicht ist nicht maß­geb­lich für den Wert ei­nes Men­schen. Im In­ter­es­se des Kin­des soll­te die ge­sam­te Fa­mi­lie an ei­nem Strang zie­hen und ge­mein­sam ver­su­chen, Er­näh­rungs- und Be­we­gungs­rou­ti­nen zu ver­än­dern. Nan­cy Cop­per­man, ei­ne Kol­le­gin Gab­les, un­ter­streicht: „Es ist nie­mals zu spät, sein Kind auf dem Weg zu ei­ner ge­sun­den Le­bens­wei­se zu be­glei­ten.“

Die Er­geb­nis­se die­ser Stu­die wer­den in der Ju­li/Au­gust-Aus­ga­be der Zeit­schrift Child De­ve­lop­ment ver­öf­fent­licht.

Chris­ti­na Bäch­le, 13. Ju­li 2012

Quelle:
MedlinePlus(2012) Overweight kids may do worse in math: study. Veröffentlichung vom 14.06.2012.
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